„Versuche, dein Leben zu machen!“, ließ die Mutter ihrer Tochter Margot ausrichten. Es war ihr letzter Satz an sie.

Am 28. Januar waren wir mit der IG SoRSmC im Abgeordnetenhaus zu einem Treffen mit Margot Friedländer, einer Überlebenden des Holocausts. Zunächst wurden, in einem sehr persönlichen und intimen Rahmen von etwa 25 Personen, Filmaufnahmen einer Lesung gemeinsam mit der Zeitzeugin angesehen. In den Aufnahmen liest Friedländer, Ehrenbürgerin Berlins, aus ihrem Buch „Versuche, dein Leben zu machen – Als Jüdin versteckt in Berlin“ vor. Im Anschluss daran stellte sie sich den Fragen der Anwesenden zu ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen, ihrer Meinung zur gegenwärtigen Politik und ihrem Leben nach dem Krieg.

Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin geboren. Nachdem die Gestapo 1943 ihre letzten Angehörigen abgeholt hatte, ging sie in den Untergrund. In ihrem Buch schildert sie die tägliche Angst, die Ungewissheit, die jeder Tag mit sich brachte und die Selbstzweifel sowie den (letzten) Auftrag ihrer Mutter, zu versuchen, „ihr Leben zu machen“. 15 Monate lang hielt sie sich mitten in Berlin versteckt, unterstützt von einem Netzwerk von Helferinnen und Helfern. Doch dann wurde sie aufgegriffen und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Hier erlebte sie die Ankunft derer, die „den Osten“ (gemeint ist hier u.a. das KZ und Vernichtungslager Auschwitz) und die Todesmärsche überlebten und völlig ausgemergelt und entkräftet nach Theresienstadt gebracht wurden. „Die Toten waren von den Lebenden kaum zu unterscheiden“, so schildert sie den Anblick, der sich ihr bot, als die Eisenbahnwagons geöffnet wurden, um die Transportierten „auszuladen“. „Da wurde mir klar, dass ich meine Mutter und meinen Bruder nie wiedersehen werde“.

Dass sie nach Deutschland zurückgekehrt sei und nun regelmäßig mit jungen Menschen über ihre Vergangenheit spreche, tue sie nicht für sich, sondern für ihre Zuhörer. Es sei wichtig, dass sie zu Zeugen ihrer Geschichte, der Geschichte einer Überlebenden des Holocausts, werden und erfahren, was sich im Dritten Reich zugetragen hat. Denn nur so könne verhindert werden, dass sich diese wiederhole.

Als wir uns nach zwei Stunden von der zierlichen, kleinen Frau verabschiedeten, waren wir erschüttert, gerührt, mitgenommen. Aber uns war bewusst, dass es ihr gelungen ist, „ihr Leben zu machen“.

 

IG SoRSmC