SIE HABEN UNSERE KINDER VERSORGT — WER KÜMMERT SICH JETZT UM SIE?
Seit Beginn dieses Kalenderjahres haben wir an unserer Schule einen neuen Caterer. Der bisherige Anbieter hatte gekündigt – die Vertragsbedingungen des Senats gelten in diesem Bereich offenbar nicht gerade als attraktiv. Umso dankbarer waren wir, dass unsere beiden langjährige Küchenservicekräfte übernommen wurde: befristet auf ein Jahr, mit sechs Monaten Probezeit und zum gesetzlichen Mindestlohn des Bundes – obwohl im Land höhere Standards gelten. Nach 20 Jahren Arbeit an unserer Schule. Heute kam die fristlose Kündigung per Post für eine unserer Küchenfrauen.
Am Montag muss sie ihre Sachen abgeben, geht anschließend in den Resturlaub – und steht mit 64 Jahren vor der Arbeitslosigkeit.
Ich wurde als Schulleiterin darüber nicht informiert. Es gab kein Gespräch, keinen Austausch, keine Vorwarnung. Vielleicht ist das rechtlich nicht erforderlich. Menschlich ist es dennoch schwer zu begreifen.
Schule ist mehr als Unterricht. Schule ist Gemeinschaft. Wir achten aufeinander, wir tragen Verantwortung füreinander und wir vermitteln unseren Schülerinnen und Schülern täglich, was soziales Miteinander bedeutet. Genau deshalb trifft uns dieser Vorgang so tief.
In den letzten Stunden sind bereits Tränen geflossen. Und vermutlich werden noch weitere folgen.
Ich bin ratlos, empört und zugleich hilflos. Vor allem aber frage ich mich: Was sagt es über unseren Umgang miteinander aus, wenn Loyalität, jahrzehntelange Arbeit und menschliche Würde am Ende so behandelt werden?
D. Wolfram-Gagel
Schulleitung





