Aktuelle Position: 

Historisches

“Um 5 Uhr nach­mit­tags, am 24. Sep­tem­ber, Grund­stein­le­gung für das neue Schul­haus. Schul- und Gemein­de­ver­tre­ter der hie­si­gen Gemein­de ver­sam­mel­ten sich nebst Leh­rern und Schü­lern gegen 5 Uhr vor dem alten Schul­haus; außer­dem waren auch vie­le Schul­freun­de zu der ange­ge­be­nen Zeit daselbst erschie­nen. Sämt­li­che Schul­klas­sen mar­schier­ten dann gleich­zei­tig nach 5 Uhr unter Vor­an­tritt der eige­nen Schul­tromm­ler und ‑pfei­fer nach dem Plat­ze, auf dem das Schul­haus errich­tet wer­den soll. Hier voll­zog sich die Feier …”

Nach nicht ein­mal 13 Mona­ten Bau­zeit fand am 09.10.1911 die fei­er­li­che Ein­wei­hung der neu­en Bies­dor­fer Gemein­de­schu­le statt. Am 01.11.1911 zähl­te man 325 Schü­ler. Das unter der Lei­tung des Lich­ten­ber­ger Archi­tek­ten Paul Tar­ruhn errich­te­te neue Schul­haus ver­füg­te u.a. über acht Klas­sen und eine Turn­hal­le, die, wie auch in ande­ren Schu­len, als Aula, für Auf­füh­run­gen und Vor­trä­ge aller Art diente.

Nach der Ein­ge­mein­dung von Bies­dorf zu Groß- Ber­lin erhielt die Schu­le die Bezeich­nung 31. Gemein­de­schu­le (Volks­schu­le) Ber­lin- Lich­ten­berg. Auf Vor­schlag der dama­li­gen Bau- und Wege­kom­mis­si­on der Gemein­de Bies­dorf erhielt die bis­lang als Stra­ße 5 bezeich­ne­te Stra­ße 1920 den Namen Schul­stra­ße. Heu­te noch erhal­ten sind die Pflas­ter­stei­ne, die 1910 ver­legt wurden.

Der Umbau der Schu­le (Aus­zug)

“…Im Juli 1928 wur­de mit den Aus­schacht­un­g­ar­bei­ten, im August mit dem Roh­bau auf bei­den Sei­ten begonnen…”

“…Als im Novem­ber 1928 die oben erwähn­ten drei Klas­sen­räu­me durch den Aus­bau das Tages­licht ver­lo­ren, erwies es sich als not­wen­dig, Ersatz zu suchen. Die­ser war bald gefun­den, da in dem frü­her von Sie­mens­sche Schlos­se, das 1927 in den Besitz der Stadt Ber­lin über­ge­ge­an­gen war, zwei Säle und ein mit­tel­gro­ßes Zim­mer für den Schul­un­ter­richt zur Ver­fü­gung gestellt wer­den konnten. …”

Ver­mut­lich ein­zig­ar­tig war die Situa­ti­on nach 1945. Es durf­te eine gewis­se Zeit aus rus­si­scher Sicht kei­ne Kör­per­er­tüch­ti­gung in deut­schen Schu­len durch­ge­führt wer­den. So ersetz­te die Turn­hal­le für eini­ge Zeit das im Krieg zer­stör­te Bies­dor­fer Kino “Capi­tol”. Nach dem Neu­an­fang des Schul­we­sens nach dem zwei­ten Welt­krieg war in der Bies­dor­fer Schu­le auch noch die 17. Schu­le Ber­lin- Lich­ten­berg unter­ge­bracht. Seit Mit­te der 50er Jah­re wur­de aus der 17. und der 31. Schu­le die 17. Schu­le, aus der spä­ter die Otto-Nagel-Schu­le her­vor­ging. Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung erhielt Bies­dorf erst­mals ein Gym­na­si­um (6. Gym­na­si­um Ber­lin-Mar­zahn). 1991 bis 92 umge­baut, bekam das Bies­dor­fer Gym­na­si­um am 27. 09. 1994 wie­der den Namen “Otto-Nagel”, aber dies­mal als Oberschule.

Quel­len: Kir­chen­chro­nik von Bies­dorf, Bericht des Orts­chro­nis­ten K.- H. Gärtner

(gekürz­te Fas­sung eines Arti­kels aus dem Schul­jahr­buch von 1995/​96)

Nach der letz­ten Grund­in­stand­set­zung des Schul­ge­bäu­des im Jahr 1991 wur­de die bau­fäl­li­ge Turn­hal­le abge­ris­sen. Nach einer Unter­su­chung Anfang 2012 wur­de im Dach­ge­schoss, wo sich zur Zeit die bei­den Kunst­räu­me befan­den, ein inzwi­schen unzu­läs­si­ges Holz­schutz­mit­tel gefun­den. Dies hat zur Sanie­rung und einem Aus­bau des Dach­ge­schos­ses geführt. Dadurch wur­de die Kapa­zi­tät des Schul­ge­bäu­des deut­lich erhöht. An Stel­le der alten Turn­hal­le wur­de 2016 eine Aula mit eini­gen Kurs­räu­men fertiggestellt.

35 Jah­re Otto-Nagel-Gym­na­si­um Berlin-Biesdorf 

Schul­jahr

Ereig­nis­se

1991/​1992

Gegrün­det als 6. Gym­na­si­um Ber­lin-Mar­zahn (mit ca. 40 Kol­le­gen) muss die Schu­le für ein Jahr ein Aus­weich­quar­tier in Ber­lin Trep­tow, Am Plän­ter­wald 17, bezie­hen, da das Gebäu­de in Bies­dorf in der­sel­ben Zeit grund­sa­niert wird.

1992/​1993

Ab Sep­tem­ber, das Schul­jahr hat­te schon begon­nen, kann der drei­zü­gi­ge Schul­be­trieb im neu und sehr soli­de aus­ge­stat­te­ten Haus auf­ge­nom­men wer­den – die Attrak­ti­on sind zwei Hör­sä­le. Am 29. März 1993 kon­sti­tu­iert sich die Eltern­spen­de der Schule.

1993/​1994

Der ers­te Abitur­jahr­gang mit 48 Abitu­ri­en­ten been­det sei­ne Schul­zeit mit dem ers­ten Abiturientenball.

1994/​1995

Anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges von Otto Nagel erhält die Schu­le am 27. Sep­tem­ber 1994 den Namen „Otto-Nagel-Ober­schu­le“ – damals ein gewich­ti­ger Anlass das ers­te Jahr­buch der Schu­le herauszubringen.

1995/​1996

In die­sem Jahr beginnt die Tra­di­ti­on der Aus­tausch­fahr­ten, durch­ge­führt von den 10. Klas­sen. Die Schu­le wählt in einem Ver­fah­ren ein ers­tes Schullogo.

1996/​1997

Erst­ma­li­ge Auf­nah­me einer 5. Klas­se als „Schnell­läu­fer­klas­se“ (die­se Schü­ler wer­den die 8. Klas­se über­sprin­gen) und die Tra­di­ti­on eines Pro­jet­ta­ges in der SEK I beginnt.

1997/​1998

In die­sem Jahr fin­det zum ers­ten Mal ein „Tag der offe­nen Tür“ statt, aus des­sen Anlass auch ein klei­nes Schul­mu­se­um eröff­net wird und die Tra­di­ti­on des jähr­li­chen Weih­nachts­sin­gens beginnt.

1998/​1999

Das Pro­jekt „Grün macht Schu­le“ star­tet in die Wett­be­werbs­pha­se und führt spä­ter zu einer ers­ten Ver­schö­ne­rung des Schulhofs.

1999/​2000

Die Schu­le betei­ligt sich am Fest­um­zug „625 Jah­re Bies­dorf“ am 14. Mai 2000.

2000/​2001

Zum Jubi­lä­um „90 Jah­re Schul­ge­bäu­de – 10 Jah­re Gym­na­si­um“ gibt es eine Fest­wo­che in der Schu­le und einen gro­ßen Fest­akt im FEZ Wuhlheide.

2001/​2002

Zum Schul­jah­res­en­de fin­det zum ers­ten Mal eine Schul­olym­pia­de statt.

2002/​2003

Ein Bud­dy-Bär wird vor der Schu­le auf­ge­stellt. Mit Beginn des 2. Halb­jah­res erhöht sich die Pflicht­stun­den­zahl der Leh­rer von 24 auf 26 Stunden.

2003/​2004

Es ent­steht das legen­dä­re Wand­bild an der Schul­hof­sei­te des Ost­flü­gels unter dem Mot­to: “Nichts ist dazu ver­ur­teilt, zu blei­ben, wie es ist“. Der ers­te Schnell­läu­fer­jahr­gang, der 1996 zu uns kam, macht Abitur.

2004/​2005

Am 7. Dezem­ber 2004 beschließt das Bezirks­amt Mar­zahn-Hel­lers­dorf die Namens­än­de­rung von „Otto-Nagel-Ober­schu­le“ zu „Otto-Nagel-Gym­na­si­um“. Im Febru­ar 2005 fin­det zu einem ber­lin­wei­ten Ter­min erst­ma­lig ein Eig­nungs­test für die Schü­ler der zukünf­ti­gen 5. Klas­sen an unse­rer Schu­le statt.

2005/​2006

Beginn der Prü­fun­gen zum mitt­le­ren Schul­ab­schluss (mit Präsentationsprüfung).

Auf­nah­me der ers­ten Super­schnell­läu­fer (Abitur nach 11 Jahren).

2006/​2007

Ab die­sem Schul­jahr gibt es in Mathe­ma­tik, Deutsch und den Fremd­spra­chen ein Zen­tral­ab­itur (in den Fol­ge­jah­ren kom­men wei­te­re Fächer dazu), das Abitur an sich bekommt eine 5. Prüfungskomponente.

2007/​2008

In die­sem Jahr wird das neue, heu­te noch gül­ti­ge Schul­lo­go entwickelt.

2008/​2009

Fusi­on mit dem Gym­na­si­um am Elsen­grund, die Schu­le dort wird Fili­al­stand­ort, der Jahr­gang 13 hat nun 179 Schü­ler, der Jahr­gang 12 noch 154.

2009/​2010

Zum Anfang des Schul­jah­res wird die Filia­le am Elsen­grund geschlos­sen und alle Leh­rer und die Schü­ler des 13. Jahr­gangs zie­hen ins ONG um. Am Ende fei­ern 130 Abitu­ri­en­ten ihren Abi­ball. Im sel­ben Jahr wer­den die ers­ten Lap­top-Klas­sen auf­ge­nom­men, das sind zwei fünf­te Klas­sen und eine siebente.

2010/​2011

Ein­füh­rung des Block­un­ter­richts. Es gibt kei­ne 11. Klas­sen mehr, die Zeit in der Ober­stu­fe wird um die Ein­füh­rungs­pha­se ver­rin­gert, also von drei auf zwei Jah­re ver­kürzt. Anläss­lich des 100-jäh­ri­gen Bestehens der Schu­le in Bies­dorf und des 20-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums des ONG gibt es eine Festwoche.

2011/​2012

Die Lauf­bahn der neu­en fünf­ten Klas­sen wird ent­schleu­nigt, die neu­en Fünft­kläss­ler sind jetzt Schnell­ler­ner und über­sprin­gen die 8. Klas­se nicht mehr. Abitur vom Dop­pel­jahr­gang, Ber­lin ver­kürzt die Zeit für die all­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe. Damit erhal­ten gleich­zei­tig Schü­ler mit 13, 12 bzw. 11 (Schnell­läu­fer) Schul­be­suchs­jah­ren das Abitur. Am Schul­ge­bäu­de wer­den bau­li­che Män­gel offen­bar, die Turn­hal­le und die Räu­me unter dem Dach sind ab sofort gesperrt und nicht mehr nutzbar.

2012/​2013

Turn­hal­le und Dach­stuhl wer­den abge­ris­sen. Der Umbau erfor­dert die Schlie­ßung wei­te­rer Räu­me, wes­halb der 9. und 10. Jahr­gang ans Melan­chthon-Gym­na­si­um umzie­hen muss. Leh­rer von uns, die an bei­den Stand­or­ten unter­rich­ten, müs­sen fort­an pendeln.

2013/​2014

Da auch die NaWi-Eta­ge gesperrt ist, wird auch die Ober­stu­fe an der Außen­stel­le in Hel­lers­dorf unter­rich­tet. Die sehr auf­wen­di­gen Bau­ar­bei­ten schrei­ten vor­an, ein bal­di­ges Ende ist nicht in Sicht.

2014/​2015

Der Roh­bau der neu­en Aula entsteht.

2015/​2016

Im Früh­jahr 2016 wur­de der neue Gebäu­de­teil mit der Aula ein­ge­weiht und zur Nut­zung über­ge­ben. Zum Jubi­lä­um „25 Jah­re ONG“ gab es einen Fest­akt, ein Hof­fest und zum ers­ten Mal, unter begeis­ter­ter Nut­zung der neu­en Aula, ein Alumnitreffen.

Die Her­aus­ga­be des Jahr­buchs liegt jetzt in den Hän­den von TEAM REDAKTION.

2016/​2017

Die neue Biblio­thek über der Aula wird zur viel­fre­quen­tier­ten Wohl­fühl­oa­se. Ein Höhe­punkt des Schul­le­bens ist die 1. Talent­show am 17. Febru­ar 2017.

2017/​2018

Seit dem 16. April 2018 ler­nen wie­der alle Schü­ler gemein­sam am ONG. Nach fünf ein­halb Jah­ren Bau­zeit gibt es nun ein „neu­es“ Gebäu­de mit einem vier­ten Geschoss.

2018/​2019

Im Mai 2019 gibt es ein wei­te­res Alum­ni­tref­fen am ONG. Das groß ange­leg­te Otto-Nagel-Pro­jekt im Früh­jahr 2019 berei­tet das Jubi­lä­um zum 125. Geburts­tag des Künst­lers vor.

2019/​2020

Am 27. Sep­tem­ber 2019, am Geburts­tag von Otto Nagel, fin­det eine Fest­ver­an­stal­tung statt, die gleich­zei­tig Auf­takt des Otto-Nagel-Jah­res ist. Wegen der Coro­na-Pan­de­mie wer­den am 17. März 2020 die Schu­len geschlos­sen. Ab 27. April gibt es eine schritt­wei­se Öff­nung. Die Abitur­zeug­nis­se wer­den unter gro­ßem Auf­wand und den­noch sehr wür­de­voll in der Aula aus­ge­ge­ben. Die Schu­le gibt sich ein Werteleitbild.

2020/​2021

Mit Beginn des Schul­jah­ren kann der modu­la­re Ergän­zungs­bau (MEB) genutzt wer­den und die Schü­ler, die vom S‑Bahnhof kom­men, kön­nen die neue, im August frei­ge­ge­be­ne Fuß­gän­ger­brü­cke benut­zen. Ab Mit­te Dezem­ber gibt es einen zwei­ten Lock­down, des­sen erheb­li­che Ein­schrän­kun­gen durch unse­re digi­ta­len Mög­lich­kei­ten abge­mil­dert wer­den kön­nen. Auch in die­sem Jahr gibt es kei­nen Abi­ball, die Zeug­nis­se wer­den erneut in der Aula überreicht.

2021/​2022

Die Fest­ver­an­stal­tung am 31. August 2021 eröff­net das Fest­jahr zum Jubi­lä­um „110 Jah­re Schul­ge­bäu­de – 30 Jah­re ONG“. Die Bau­ar­bei­ten zur grund­le­gen­den Um- und Aus­ge­stal­tung des Schul­ge­län­des haben begonnen.

2022/​2023

Das ONG ist eine von 15 aus­ge­zeich­ne­ten Schu­len im Rah­men der Nomi­nie­rung für den Deut­schen Schul­preis 2022. Mit dem fer­tig­ge­stell­ten Außen­be­reich ist nun ein attrak­ti­ver Schul-Cam­pus ent­stan­den, der für die nähe­re Zukunft sehr gut aus­ge­stat­tet ist.

2023/​2024

Am 13. Dezem­ber 2023 wird die neue Turn­hal­le unweit von unse­rem Gelän­de an den Bezirk über­ge­ben, ab Früh­jahr 2024 steht sie uns zur Verfügung.

2024/​2025

Im Novem­ber 2024 erhält die IG Frie­dens­tau­be den Mar­got Fried­län­der Preis 2024, sowohl eine Wür­di­gung der aktu­el­len Leis­tung als auch des sozia­len Enga­ge­ments seit über zehn Jah­ren. 21. Novem­ber 2024: Eine gan­ze Schu­le besucht die Show „Fal­ling in Love“ im Friedrichstadtpalast.

2025/​2026

Im Rah­men der Kul­tur­wo­che fei­ern wir am 25. Juni 2026 „35 JAHRE ONG“ mit einem Hof­fest und einem anschlie­ßen­den Alumnitreffen.

zusam­men­ge­stellt von Johan­nes Wendt

115 Jah­re Schu­le in Bies­dorf – Unse­re Geschich­te am ONG 

Zwi­schen Schie­fer­ta­fel und Künst­li­cher Intelligenz

Als am 9. Okto­ber 1911 die neue Gemein­de­schu­le in der heu­ti­gen Schul­stra­ße 11 eröff­net wur­de, muss in Bies­dorf Auf­bruch­stim­mung geherrscht haben. Kin­der stan­den geschnie­gelt auf dem Schul­hof, Gemein­de­vor­ste­her hiel­ten Anspra­chen, neu­gie­ri­ge Anwoh­ner bestaun­ten das neue, gro­ße Schulgebäude.

Die alte Dorf­schu­le am Anger war längst zu klein gewor­den. Immer mehr Fami­li­en zogen nach Bies­dorf, die Zahl der Schul­kin­der stieg rasant an. So ent­warf der Lich­ten­ber­ger Archi­tekt, Paul Tar­ruhn, der u. a. auch an den Schul­bau­ten in Kauls­dorf und Mahls­dorf mit­wirk­te, eine für dama­li­ge Ver­hält­nis­se moder­ne Bil­dungs­ein­rich­tung: mit aus­rei­chend Platz für meh­re­re Klas­sen, brei­ten Flu­ren und einer eige­nen Turnhalle.

Unter­richt in Zei­ten von Krieg und Ressourcenmangel

Doch schon kurz nach ihrer Eröff­nung wur­de die Schu­le von den Umbrü­chen des 20. Jahr­hun­derts ein­ge­holt. Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs wur­den Leh­rer zum Mili­tär ein­ge­zo­gen, Unter­richts­ma­te­ria­li­en wur­den knapp. Zeit­wei­se schrie­ben Kin­der wie­der auf Schie­fer­ta­feln, weil Papier kaum ver­füg­bar noch bezahl­bar war.

Wäh­rend der März­kämp­fe 1919 besetz­ten Sol­da­ten das Schul­ge­bäu­de. Unter­richt war wochen­lang unmög­lich. Erst Ende Mai kehr­ten die Kin­der zurück in ihre Klas­sen­räu­me. Inzwi­schen war aus dem Deut­schen Kai­ser­reich eine jun­ge Demo­kra­tie gewor­den, die neue Schwer­punk­te in der Bil­dung setz­te: Selb­stän­dig­keit und Chan­cen­gleich­heit ersetz­ten die oft streng mili­tä­ri­sche “Unter­ta­nen­er­zie­hung” der kai­ser­li­chen Monarchie.

Bies­dorf wächst und die Schu­le wächst mit

1920 wur­de Bies­dorf in Groß-Ber­lin ein­ge­mein­det. Die Schu­le erhielt die Bezeich­nung “31. Gemein­de­schu­le (Volks­schu­le) Ber­lin-Lich­ten­berg” und platz­te bald wie­der aus allen Näh­ten. 1928/​29 wur­de sie erweitert.

Mit dem Hin­zu­fü­gen eines wei­te­ren Flü­gels ent­stand ein präch­ti­ger Anbau, in dem auch erst­mals Fach­räu­me ein­ge­rich­tet wer­den konn­ten. Von 307 Schü­le­rin­nen und Schü­lern im Jahr 1930 ver­drei­fach­te sich die Anzahl der Ler­nen­den auf fast 1.000 im Jahr 1935. Gelernt wur­de in Jungen‑, Mäd­chen- und gemisch­ten Klas­sen vom 1. bis zum 8. Jahrgang.

Vom Luft­schutz­kel­ler zum Lichtspielhaus

Der Zwei­te Welt­krieg mach­te die Bies­dor­fer Schu­le end­gül­tig zu einem zen­tra­len Anlauf­punkt für die Gemein­de. Die Kel­ler­räu­me wur­den zu Luft­schutz­räu­men und Not­la­za­ret­ten für Anwoh­ner und Mili­tär umge­baut. 1944 wur­de der regu­lä­re Schul­be­trieb gänz­lich ein­ge­stellt und erst im Juni 1945 peu à peu wie­der auf­ge­nom­men: Unter­richt fand zunächst im Frei­en statt, spä­ter in not­dürf­tig her­ge­rich­te­ten Räumen.

Auch in den Nach­kriegs­jah­ren war die Schu­le weit mehr als ein Bil­dungs­ort. Weil Bies­dorf nach den Bom­bar­die­run­gen kei­nen Kino­saal mehr hat­te, wur­de die Turn­hal­le kur­zer­hand zum Licht­spiel­haus umfunk­tio­niert. Spä­ter, wäh­rend der Wäh­rungs­re­form 1948, dien­te die­sel­be Hal­le als Wech­sel­stu­be und anschlie­ßend sogar als Kornspeicher.

Otto Nagel wird Namens­ge­ber und Vorbild

Mit der Grün­dung der DDR wan­del­te sich auch das Bil­dungs­sys­tem noch ein­mal grund­le­gend. Aus der Volks­schu­le wur­de eine zehn­klas­si­ge poly­tech­ni­sche Ober­schu­le (POS). Der Unter­richt soll­te nun stär­ker auf prak­ti­sche Beru­fe und gesell­schaft­li­che Auf­ga­ben im sozia­lis­ti­schen Sys­tem vorbereiten.

1969 erhielt die Bies­dor­fer Schu­le schließ­lich auch ihren heu­ti­gen Namen: Otto Nagel-Ober­schu­le. Der im Nazi­re­gime ver­bo­te­ne Maler, der als sozi­al­kri­ti­scher Chro­nist des Ber­li­ner Arbei­ter­le­bens bekannt war und in Bies­dorf leb­te, wur­de Namens­ge­ber und prägt bis heu­te das Wer­tel­eit­bild der Schu­le: Mit Lei­den­schaft, Respekt, Enga­ge­ment und Ver­ant­wor­tung für eine welt­of­fe­ne Gesellschaft.

Heu­te ste­hen Zukunfts­kom­pe­ten­zen im Fokus

Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands wur­de die Bies­dor­fer Schu­le 1991 schließ­lich zu einem Gym­na­si­um mit west­deut­schen Bil­dungs­stan­dards. Heu­te, in sei­nem 35. Jubi­lä­ums­jahr als Gym­na­si­um, steht die Schu­le für eine moder­ne, zukunfts­ori­en­tier­te Bil­dung, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus dem gesam­ten Stadt­ge­biet anzieht.

Aus der eins­ti­gen Gemein­de­schu­le ist ein moder­ner Schul­cam­pus gewor­den. Zwei Sport­hal­len, ein Bolz­platz, Spiel- und Bewe­gungs­flä­chen, ein eige­ner Schul­klub sowie ein moder­ner modu­la­rer Ergän­zungs­bau bie­ten Raum für Ler­nen, Begeg­nung und Freizeit.

In ihrem Selbst­ver­ständ­nis als pro­gres­si­ver, enga­gier­ter und gemein­schafts­bil­den­der Lern­ort setzt die Schu­le bewusst Schwer­punk­te in den Berei­chen Digi­ta­li­sie­rung, Demo­kra­tie­bil­dung und gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment. Pro­jek­te zur Erin­ne­rungs­kul­tur und zum inter­na­tio­na­len Aus­tausch prä­gen den Schul­all­tag eben­so wie Zukunfts­fra­gen rund um Künst­li­che Intel­li­genz, Medi­en­kom­pe­tenz und den ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit digi­ta­len Medien.

Ein Stück Bies­dor­fer Identität

Vie­le Men­schen im Bezirk ver­bin­den per­sön­li­che Erin­ne­run­gen mit der Schu­le in der Schul­stra­ße 11. Gene­ra­tio­nen sind hier ein- und aus­ge­gan­gen: als Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Lehr­kräf­te oder Eltern.

So ist die Schu­le heu­te mehr denn je ein fes­ter Bestand­teil des Kiezes. Sie erzählt von den Ver­än­de­run­gen eines Ortes, von ver­schie­de­nen poli­ti­schen Sys­te­men, gesell­schaft­li­chen Umbrü­chen und davon, wie Bil­dung im 21. Jahr­hun­dert neu gedacht wird.

Chris­ti­na Huhn

Aufnahme aus dem Jahr 1999

Aufnahme aus dem Jahr 2018