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59 Jahre nach Otto Nagel — Kunst verbindet Generationen

Heu­te, am 12. Juli 26, jährt sich der Todes­tag unse­res Namens­ge­bers Otto Nagel zum 59. Mal. Sein Werk lebt wei­ter — dort, wo jun­ge Men­schen den Mut haben, selbst zu zeich­nen, zu gestal­ten und ihre eige­ne Sicht auf die Welt sicht­bar zu machen.

In unse­rem Aus­stel­lungs­raum am Otto-Nagel-Gym­na­si­um ist erst­mals etwas Beson­de­res zu sehen: Die Comics von Sia, Schü­le­rin des 10. Jahr­gangs, wer­den gemein­sam mit Ori­gi­nal­gra­fi­ken von Otto Nagel aus­ge­stellt. Auf der lin­ken Sei­te erzählt eine ange­hen­de Künst­le­rin ihre eige­nen Geschich­ten, auf der rech­ten Sei­te begeg­nen ihr die Arbei­ten eines Künst­lers, des­sen Blick auf die Men­schen, ins­be­son­de­re wäh­rend der Wei­ma­rer Repu­blik, bis heu­te berührt.

Das Foto aus unse­rer Aus­stel­lung zeigt Sia allein auf dem Sofa, ver­tieft in ihr Zeich­nen. Hin­ter ihr an der Wand begeg­nen sich zwei künst­le­ri­sche Wel­ten: die Wer­ke einer jun­gen Künst­le­rin von heu­te und die Arbei­ten eines Künst­lers, des­sen Name und Schaf­fen mit unse­rer Schu­le ver­bun­den sind. Es ist ein stil­ler Moment, der zeigt, was Kunst ver­mag: Sie schafft Ver­bin­dun­gen über Gene­ra­tio­nen hinweg.

Viel­leicht wäre das die schöns­te Vor­stel­lung: Dass Otto Nagel sehen könn­te, wie sein Werk nicht nur in Archi­ven bewahrt, son­dern wei­ter­ge­dacht wird. Dass sei­ne Arbei­ten heu­te neben denen einer jun­gen Künst­le­rin hän­gen, die ihren eige­nen Weg sucht. Denn genau das ist das Ver­mächt­nis von Kunst: Sie hin­ter­lässt Spu­ren, die ande­re auf­neh­men, wei­ter­füh­ren und neu interpretieren.

Wir sind über­zeugt: Jun­ge Kunst ver­dient ihren Platz. Nicht nur an den Wän­den einer Schu­le, son­dern genau­so selbst­ver­ständ­lich in den gro­ßen Gale­rien und Aus­stel­lungs­häu­sern Ber­lins. Talent kennt kein Alter. Krea­ti­vi­tät braucht kei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Bio­gra­fie, son­dern Gele­gen­hei­ten, gese­hen zu werden.

Die gro­ßen Künst­le­rin­nen und Künst­ler, deren Wer­ke wir heu­te bewun­dern, waren selbst ein­mal jun­ge Men­schen mit Skiz­zen­bü­chern, Zwei­feln und Träu­men. Die jun­gen Künst­le­rin­nen und Künst­ler von heu­te sind die alten Meis­te­rin­nen und Meis­ter von mor­gen. Wer ihnen heu­te Raum gibt, inves­tiert in das Leben.
Schu­le gibt Raum für Aus­stel­lun­gen. Wenn Schü­le­rin­nen und Schü­ler erle­ben, dass ihre Wer­ke öffent­lich gezeigt wer­den, erfah­ren sie, dass ihre Gedan­ken und ihre Krea­ti­vi­tät Bedeu­tung haben. Kunst ent­fal­tet ihre Wir­kung im Dia­log mit anderen.

Der 59. Todes­tag Otto Nagels erin­nert uns nicht nur an einen bedeu­ten­den Künst­ler. Er erin­nert uns auch an unse­re Ver­ant­wor­tung, jun­gen Talen­ten Raum zu geben. Kul­tur lebt nicht allein vom Bewah­ren. Sie lebt davon, dass jede Gene­ra­ti­on den Mut hat, etwas Eige­nes hinzuzufügen.

Viel­leicht ist genau das die schöns­te Hom­mage an Otto Nagel: Dass neben sei­nen Wer­ken heu­te die Kunst einer jun­gen Schü­le­rin hängt — und bei­de mit­ein­an­der ins Gespräch kommen.

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