Aktuelle Position: 

NICHT DER DRUCK IST DAS PROBLEM – SONDERN FEHLENDE ORIENTIERUNG

Druck ist zum Schlag­wort gewor­den. Er wird oft als Haupt­ur­sa­che für Stress und psy­chi­sche Belas­tun­gen bei Kin­dern und Jugend­li­chen benannt. Als Schul­lei­te­rin erle­be ich häu­fig fol­gen­des Bild:
Schü­le­rin­nen und Schü­ler set­zen sich selbst unter Druck – nicht, weil ihnen die Kom­pe­ten­zen feh­len, um erfolg­reich zu sein, son­dern weil ihnen oft Struk­tur und Selbst­ver­trau­en feh­len. Hin­zu kommt eine per­ma­nen­te Ablen­kung durch digi­ta­le Medi­en.

Nicht der Druck an sich ist das Pro­blem. Ent­schei­dend ist, ob jun­ge Men­schen ler­nen, mit ihm umzu­ge­hen.
Hier müs­sen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen leis­ten. Wir müs­sen unse­re Schü­le­rin­nen und Schü­ler befä­hi­gen, ihren Tag zu struk­tu­rie­ren, rea­lis­ti­sche Zie­le zu set­zen und die­se kon­se­quent zu ver­fol­gen. Das bedeu­tet auch: Wir müs­sen for­dern. Denn Wachs­tum ent­steht nicht in der Kom­fort­zo­ne. Erfol­ge müs­sen schließ­lich sicht­bar und erleb­bar gemacht wer­den. Nur wer Wert­schät­zung in der Gemein­schaft erfährt, wird sie auch wei­ter­ge­ben kön­nen.

Ori­en­tie­rung zu erle­ben, zu erhal­ten ist ein Pro­zess, der Beglei­tung benö­tigt. Doch in Klas­sen mit über 30 Schü­le­rin­nen und Schü­lern kann die­se nicht aus­schließ­lich durch die Lehr­kraft geleis­tet wer­den.
Wir müs­sen Schu­le neu den­ken: mit trag­fä­hi­gen Team­struk­tu­ren inner­halb der Schü­ler­schaft – in Klas­sen, in Kur­sen und auch jahr­gangs­über­grei­fend. Hier liegt ein enor­mes, bis­her zu wenig genutz­tes Poten­zi­al.

Schü­le­rin­nen und Schü­ler müs­sen erfah­ren, wie man Zie­le erreicht, wie man Rück­schlä­ge ver­ar­bei­tet und wie sich Aus­dau­er ent­wi­ckelt. Sie müs­sen erle­ben, dass sich Anstren­gung lohnt, dass Mühe nicht nur belas­tet, son­dern auch erfüllt.
Die­se Erfah­rung von Selbst­wirk­sam­keit ist ent­schei­dend. Wer spürt, dass er durch eige­nes Han­deln etwas errei­chen kann, gewinnt Stär­ke, Mut und Ori­en­tie­rung. Genau das berei­tet auf ein Leben vor, das immer auch Her­aus­for­de­run­gen und Druck mit sich bringt.

Unse­re Auf­ga­be ist klar: Wir müs­sen jun­ge Men­schen stark machen — für sich selbst und für die Gemein­schaft, in der sie ihren Platz fin­den und bewusst mit­ge­stal­ten.

In der aktu­el­len Zeit, in der wir Leben, erhöht sich der Druck. Somit ist es um so wich­ti­ger, das Schu­le und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen noch stär­ker Halt und Ori­en­tie­rung im Leben der Kin­der und Jugend­li­chen geben.

D. Wolf­ram-Gagel
Schul­lei­tung