Aktuelle Position: 

ZEIGEN, WAS IST II – Ein Raum zum Schreiben und Sichtbarwerden

Im Juli 2025 ent­stand in einer Aus­stel­lung von Yoko Ono im Gro­pi­us Bau ein Raum, der sich durch sei­ne Besu­che­rin­nen und Besu­cher ver­än­der­te. Ein wei­ßer Raum, blaue Stif­te, eine ein­fa­che Auf­for­de­rung: eine Nach­richt zu hin­ter­las­sen. Mit der Zeit wur­de der Raum zu einem Meer aus Gedan­ken, Wün­schen, Fra­gen und poli­ti­schen Stimmen.

Die­se Arbeit ist der Aus­gangs­punkt für die­ses Projekt.

In unse­rem Aus­stel­lungs­raum ste­hen zwei wei­ße Wän­de. Sie wur­den gebaut, um beschrie­ben zu wer­den. Nicht heim­lich, nicht ver­steckt, son­dern öffent­lich. Statt Nach­rich­ten auf Toi­let­ten­wän­den ent­steht hier ein gemein­sa­mer Ort des Ausdrucks.

Alle Mit­glie­der der Schul­ge­mein­schaft sind ein­ge­la­den, eine Spur zu hin­ter­las­sen:
Gedan­ken, Fra­gen, Zwei­fel, Wün­sche, Wut, Hoff­nung, Kri­tik – oder ein­fach das, was gera­de da ist.

Es gibt kei­ne inhalt­li­che Vor­ga­be und kei­ne kura­to­ri­sche Aus­wahl. Die­ser Raum gehört allen. Bei­trä­ge dür­fen ergänzt, kom­men­tiert, über­malt oder beant­wor­tet wer­den. So ent­steht ein Gespräch im Raum. Das kann irri­tie­ren, wider­spre­chen oder Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen – und genau dar­in liegt der Sinn die­ses Raumes.

Die ein­zi­ge Gren­ze ist dort, wo Men­schen ange­grif­fen oder ent­wür­digt wer­den. Alles ande­re darf sicht­bar wer­den – auch Wider­spruch, Unsi­cher­heit und Dis­kus­si­on. Ver­ant­wor­tung für die­sen Raum tra­gen wir gemeinsam.

Das Pro­jekt kann gelin­gen oder schei­tern. Bei­des ist mög­lich und Teil des Expe­ri­ments. Ent­wick­lung ent­steht nicht ohne Risiko.

„Zei­gen, was ist – ohne Angst, zer­schla­gen zu wer­den von dem, was sicht­bar wird.“ – May Ayim (1960–1996)

Alex­an­der Vasos