Gemeinsam gegen das Vergessen — Erinnern an die Opfer des Holocaust
Holocaust, Nationalsozialismus, Deportation – mit diesen zentralen Themen setzte sich der 7. Jahrgang im Projekt „Gegen das Vergessen – Erinnern an die Opfer des Holocaust“ der IG Friedenstaube auseinander.
Im Rahmen des Projekts hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, nach einem gemeinsamen thematischen Einstieg eine Gedenkstätte ihrer Wahl zu besuchen, um sich der Zeit des Nationalsozialismus altersgerecht und reflektiert anzunähern. Dabei stand nicht nur das historische Lernen im Fokus, sondern auch die Frage, welche Bedeutung Erinnerungskultur für unsere Gegenwart hat.
Im Folgenden möchten wir Einblicke in die besuchten Lernorte und die dort gewonnenen Erfahrungen geben.
Stolpersteinrundgang
Über die Geschichte „zu stolpern“ und an die Menschen zu erinnern, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden – darum ging es bei unserem Stolpersteinrundgang.
Nach einem gemeinsamen historischen Einstieg führten uns Dagmar Poetzsch, Ute Thomas und Marion Weisbach zu mehreren Stolpersteinen und einer Gedenktafel in der Nähe unserer Schule. An den einzelnen Erinnerungsorten setzten wir uns intensiv mit den Lebensgeschichten der dort geehrten Menschen auseinander.
Besonders eindrücklich war, dass wir selbst aktiv zur Erinnerung beitragen konnten: Wir reinigten die Stolpersteine und legten weiße Rosen als Zeichen des Gedenkens nieder. So wurde spürbar, wie nah diese Geschichte ist – mitten in unserer Umgebung und bis in unsere Gegenwart hinein.
Gedenkstätte Stille Helden
In der Gedenkstätte „Stille Helden“ erhielten wir eine Führung durch die Ausstellung, die den Mut von Menschen sichtbar macht, die während des Nationalsozialismus verfolgten Jüdinnen und Juden in Deutschland und im besetzten Europa halfen.
Dabei bekamen wir eindrückliche Einblicke in die ausweglose Lage der Verfolgten sowie in die schwierigen und oft lebensgefährlichen Entscheidungen derjenigen, die Unterstützung leisteten – etwa durch Verstecken, Fluchthilfe oder das Bereitstellen falscher Identitäten.
Unser Besuch machte deutlich: Rettung war selten, aber sie war möglich. In vielen europäischen Ländern leisteten Menschen Hilfe – unter sehr unterschiedlichen Bedingungen und aus vielfältigen Motiven.
An konkreten Beispielen lernten wir sowohl gelungene als auch gescheiterte Rettungsversuche kennen und setzten uns mit der Rolle von Helferinnen, Helfern und ihren Netzwerken auseinander.
Blindenwerkstatt Otto Weidt
Im Rahmen dieser Exkursion besuchten wir die Dauerausstellung zur Blindenwerkstatt Otto Weidt am historischen Ort in der Rosenthaler Straße und begaben uns in einem Workshop auf Spurensuche.
Wir erfuhren, wie Otto Weidt während des Zweiten Weltkriegs blinde sowie seh- und hörbehinderte Jüdinnen und Juden in seiner Werkstatt beschäftigte und sie durch mutige Hilfeleistungen – etwa durch die Beschaffung von Lebensmitteln, falschen Papieren und Verstecken – vor der Deportation zu schützen versuchte.
Anhand persönlicher Dokumente und Biografien erhielten wir eindrückliche Einblicke in den von Verfolgung geprägten Alltag der Betroffenen sowie in ihre Versuche zu überleben und Widerstand zu leisten. Anschließend vertieften wir unsere Eindrücke bei einem Stolpersteinrundgang rund um die Hackeschen Höfe: Dort begaben wir uns selbst auf Spurensuche und setzten uns mit den Einzelschicksalen auseinander, die wir zuvor recherchiert hatten.
Anne-Frank-Zentrum
Da es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, die aus eigener Erfahrung vom Nationalsozialismus berichten können, gewinnen historische Quellen zunehmend an Bedeutung. Wie eindrücklich insbesondere persönliche Zeugnisse sein können, wurde uns in der Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ deutlich.
Anne Frank hielt ihre Gedanken, Ängste und Hoffnungen in ihrem Tagebuch fest, das während der zwei Jahre im Versteck in Amsterdam entstand – zu einer Zeit, in der sie erst 14 Jahre alt war. Ihr Schreiben macht die Verfolgung aus einer sehr persönlichen Perspektive erfahrbar.
Mithilfe von Arbeitsaufträgen und im Austausch mit den Guides setzten wir uns intensiv mit ihrer Biografie im Kontext der nationalsozialistischen Judenverfolgung auseinander. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Frage, welche Bedeutung ihre Geschichte für uns heute hat und welche Bezüge sich zu unserer eigenen Lebenswelt herstellen lassen.
Die Erfahrungen aus unseren Exkursionen, haben Geschichte auf eindrückliche Weise lebendig werden lassen. Sie zeigen, dass historische Auseinandersetzung nicht nur rückblickend geschieht, sondern eine unmittelbare Bedeutung für unser heutiges Denken und Handeln besitzt. Die Mahnung „Nie wieder“ bleibt für uns alle eine Verpflichtung, die sich stets an die Gegenwart richtet.
Jannis Koll und Emma Tümler
im Namen der IG Friedenstaube





