Ein Bericht von unserem Fachtag Spanisch
„Othering“ ist der englische Begriff für „Andersmachen“ und „Andersmachen“ — das ist eine Strategie. Denn wenn jemand „anders gemacht“ wird, ist er oder sie nicht mehr Teil des „Normalen“, der Gruppe, und ist dadurch ausgeschlossen von dem, was den „Gleichen“ zusteht. Dieses Spiel von Gruppenbildung und Ausgrenzung kennen wir leider alle. Vielleicht ist uns aber nicht immer bewusst, welche Folgen „Othering“ hat.
Auf unserem Fachtag Spanisch haben wir uns ganz ausführlich mit dem Konzept des „Othering” auseinandergesetzt. Die Lateinamerikawissenschaftlerinnen Djanum Podolski Toro und Aliza Yanes haben uns dafür auf eine Reise in das 15. Jahrhundert mitgenommen, als Kolumbus den amerikanischen Kontinent kolonialisierte. Mittlerweile ist die Kulturwissenschaft sich einig, dass eines der größten Machtinstrumente damals die Sprache war. Das „Andersmachen“ von Kulturen wurde genutzt, um die gewaltsame Ausbreitung und Vorherrschaft der europäischen „zivilisierten“ Kolonialmächte zu begründen.
Doch nun zurück ins 21. Jahrhundert und in unseren Spanischunterricht. Ist die Geschichte des Kolonialismus für uns noch relevant? Ja, denn nach dem 20. Jahrhundert ist der Kolonialismus nicht einfach verschwunden, sondern prägt weiterhin, wie wir denken, Politik machen und wirtschaften. Der Spanischunterricht, in dem wir den Blick über den Tellerrand werfen, bietet uns die Möglichkeit, darüber zu reden und zu untersuchen, mit welcher Brille wir die Welt sehen und wen wir dabei „anders machen“.
Durch unseren Fachtag haben wir Input zu tollen Methoden erhalten, mit denen wir über diese Fragen reden können. Aliza und Djanum zeigten uns, wie man im Unterricht spielerisch verdeutlichen kann, dass wir alles, was wir sehen, auf der Grundlage unseres eigenen kulturellen Großwerdens interpretieren. Und mit der Videoreihe „Das dekoloniale Glossar“ gaben sie uns Beispiele dafür, wie wir andere Begriffe nutzen können, um eine neue Sicht auf die Welt zu bekommen.
Hast du zum Beispiel schon einmal den Namen „Abya Yala“ gehört? Dieser Begriff kommt aus der Sprache der Guna-Yala-Bevölkerung im heutigen Panamá und bedeutet „Land in voller Blüte“. Indigene Gruppen nutzen ihn anstelle von „Amerika“ und kämpfen mit ihm für Selbstbestimmung, Menschenrechte und Umweltschutz.
Alles Weitere erfährst du dann im Spanischunterricht….
Kontakt zu den beiden politischen Bildnerinnen:
J. Campen (Referendarin für Spanisch und Deutsch)





