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Einblicke in unser Zwischenseminar „Rechtsextremismus”

Im Rah­men eines ein­wö­chi­gen Zwi­schen­se­mi­nars zum The­ma „Rechts­extre­mis­mus“, orga­ni­siert von unse­rem Trä­ger Demo­kra­tie und Dia­log e.V., setz­ten wir uns inten­siv und dif­fe­ren­ziert mit ver­schie­de­nen Facet­ten des The­men­fel­des aus­ein­an­der. Ver­an­stal­tungs­ort war der Ama­zon-Tower bei der East Side Mall in Berlin.

Am ers­ten Tag stand der Ein­stieg in die The­ma­tik des Rechts­extre­mis­mus im Mit­tel­punkt. In Grup­pen­ar­bei­ten wer­te­ten wir unter­schied­li­che Mate­ria­li­en wie Sta­tis­ti­ken, Umfra­gen und Stu­di­en aus, um ein aktu­el­les Lage­bild zu gewin­nen und bereits ers­te Erkennt­nis­se über Ent­wick­lun­gen und Ursprün­ge zu gewin­nen. Dabei ana­ly­sier­ten wir unter ande­rem gesell­schaft­li­che Ein­stel­lun­gen, Ver­brei­tungs­mus­ter und Ein­fluss­fak­to­ren rechts­extre­mer Ideo­lo­gien. Anschlie­ßend beschäf­tig­ten wir uns mit zen­tra­len Begrif­fen und Defi­ni­tio­nen. Im Fokus stan­den die Kern­merk­ma­le des Rechts­extre­mis­mus: Sozi­al­dar­wi­nis­mus, Auto­ri­ta­ris­mus, Natio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und auch Anti­se­mi­tis­mus und Geschichtsrevisionismus.

Der zwei­te Semi­nar­tag war his­to­risch aus­ge­rich­tet. Mit­hil­fe eines inter­ak­ti­ven Zeit­strahls arbei­te­ten wir in Grup­pen zu bedeu­ten­den Gewalt­er­eig­nis­sen, poli­ti­schen Umbrü­chen und Kon­ti­nui­tä­ten in der Geschich­te. Ziel war es, his­to­ri­sche Ent­wick­lun­gen nach­voll­zieh­bar zu machen und zu ver­ste­hen, wie sich rechts­extre­me Struk­tu­ren über ver­schie­de­ne Epo­chen hin­weg ver­än­dern oder anpas­sen konn­ten. Dabei wur­de deut­lich, dass aktu­el­le Erschei­nungs­for­men nicht los­ge­löst von his­to­ri­schen Erfah­run­gen betrach­tet wer­den kön­nen. 

Am drit­ten Tag lag der Schwer­punkt auf Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on, ins­be­son­de­re auf dem Kon­zept des Framings. Wir ana­ly­sier­ten, wie sprach­li­che Rah­mun­gen Wahr­neh­mun­gen beein­flus­sen und wie Nar­ra­ti­ve gezielt ein­ge­setzt wer­den kön­nen, um bestimm­te Welt­bil­der zu sta­bi­li­sie­ren. In die­sem Zusam­men­hang beschäf­tig­ten wir uns auch mit dem The­men­kom­plex „Wahr­heit“ und zum Bei­spiel der Ent­ste­hung von Par­al­le­löf­fent­lich­kei­ten. Dis­ku­tiert wur­de, wie sich alter­na­ti­ve Infor­ma­ti­ons­räu­me ent­wi­ckeln, wel­che Rol­le sozia­le Medi­en dabei spie­len und unter wel­chen Bedin­gun­gen sich rechts­extre­me Struk­tu­ren ver­fes­ti­gen. Ein Gal­lery Walk mit aus­ge­wähl­ten Zita­ten ermög­lich­te es uns, Aus­sa­gen kri­tisch zu bewer­ten und anschlie­ßend in einem Reflek­ti­ons­spa­zier­gang im Part­ner­ge­spräch unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auszutauschen.

Der vier­te Tag beinhal­te­te einen Orts­wech­sel in den Deut­schen Bun­des­tag. Dort setz­ten wir uns ver­tieft mit Argu­men­ta­ti­ons­mus­tern und Dis­kus­si­ons­kul­tur aus­ein­an­der. Wir dis­ku­tier­ten, wie Argu­men­te hin­sicht­lich ihrer Nach­voll­zieh­bar­keit, Beleg­bar­keit und demo­kra­ti­schen Grund­hal­tung bewer­tet wer­den kön­nen, und bezo­gen zu ver­schie­de­nen kon­tro­ver­sen The­men selbst Stel­lung. In Grup­pen­ar­beits­pha­sen unter­such­ten wir zudem mög­li­che Radi­ka­li­sie­rungs­pro­zes­se und ana­ly­sier­ten Ein­fluss­fak­to­ren wie Sym­bo­le, Frei­zeit­kul­tu­ren, Gam­ing-Com­mu­ni­ties oder indi­vi­du­el­le Hin­ter­grund­ge­schich­ten. Ein wei­te­rer Schwer­punkt lag auf dem The­ma Grenz­set­zung: Wir reflek­tier­ten, wann und wie kla­re Gren­zen gegen­über men­schen­feind­li­chen oder demo­kra­tie­feind­li­chen Aus­sa­gen gezo­gen wer­den müs­sen und wel­che sprach­li­chen Mit­tel dabei hilf­reich sein können.

Der fünf­te und letz­te Tag stand im Zei­chen der Refle­xi­on und eigen­stän­di­gen Ver­tie­fung. Wir recher­chier­ten selbst­ge­wähl­te The­men in Büchern, Doku­men­ta­tio­nen und Vide­os und auf Web­sei­ten. Bei­spie­le hier­für waren die Dis­kus­si­on um ein mög­li­ches Par­tei­ver­bot der AfD sowie die Bio­gra­fie des US-Poli­ti­kers JD Van­ce. Abschlie­ßend reflek­tier­ten wir die Semi­nar­wo­che gemein­sam, tausch­ten Erkennt­nis­se aus und hiel­ten zen­tra­le Lern­erfah­run­gen fest.

Ins­ge­samt bot das Semi­nar eine fun­dier­te, sach­li­che und mul­ti­per­spek­ti­vi­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Rechts­extre­mis­mus. Durch die Ver­bin­dung aus Wis­sens­ver­mitt­lung, inter­ak­ti­ven Metho­den, Dis­kus­sio­nen und eigen­stän­di­ger Recher­che konn­ten wir sowohl fach­li­che Kom­pe­ten­zen als auch unse­re Refle­xi­ons- und Argu­men­ta­ti­ons­fä­hig­keit weiterentwickeln.

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Pia O. (Bun­des­frei­wil­li­ge 25/​26)