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27. Januar – Erinnerung ist Verantwortung

Heu­te geden­ken wir der Opfer des Holocaust.

Am 27. Janu­ar 1945 wur­de das Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz befreit. Die­ser Tag steht für uner­mess­li­ches Leid, für zer­stör­te Leben, für das Ver­sa­gen von Mensch­lich­keit — und für die blei­ben­de Ver­ant­wor­tung, die dar­aus erwächst. Für uns als Schu­le ist die­ser Tag mehr als ein his­to­ri­sches Datum. Er ist ein Auf­trag. Ein Auf­trag, jun­gen Men­schen nicht nur Wis­sen zu ver­mit­teln, son­dern Hal­tung. Ein Auf­trag, nicht weg­zu­se­hen, wenn Men­schen aus­ge­grenzt, her­ab­ge­wür­digt oder bedroht wer­den. Ein Auf­trag, Demo­kra­tie nicht nur zu erklä­ren, son­dern im All­tag erfahr­bar zu machen.

Am Otto-Nagel-Gym­na­si­um ver­ste­hen wir Erin­ne­rung als akti­ve Auf­ga­be. Wir wol­len Räu­me schaf­fen, in denen Viel­falt als Stär­ke erlebt wird. In denen Respekt, Tole­ranz und Mit­mensch­lich­keit kei­ne Schlag­wor­te sind, son­dern geleb­te Wer­te. In denen Schü­le­rin­nen und Schü­ler ler­nen, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men — für sich, für ande­re und für unse­re Gesell­schaft. 2024 wur­de unse­re Inter­es­sen­ge­mein­schaft Frie­dens­tau­be mit dem Mar­got-Fried­län­der-Preis aus­ge­zeich­net. Die Ehrung durch die Mar­got Fried­län­der Stif­tung ist für uns Aus­zeich­nung und Auf­trag zugleich. Bereits im 7. Jahr­gang setzt sich die IG Frie­dens­tau­be im Pro­jekt „Gegen das Ver­ges­sen“ alters­ge­recht und sen­si­bel mit der Geschich­te des Natio­nal­so­zia­lis­mus aus­ein­an­der. Im ver­gan­ge­nen Jahr gehör­ten dazu Besu­che der Gedenk­stät­ten „Stil­le Hel­den“, „Deut­scher Wider­stand“ und der Blin­den­werk­statt Otto Weidt sowie Stol­per­stein­rund­gän­ge im Umfeld der Schu­le. So wird Erin­ne­rung früh kon­kret und greif­bar, ohne zu überfordern.

Die per­sön­li­che Begeg­nung mit Mar­got Fried­län­der an unse­rer Schu­le war für uns eine beson­de­re Ehre und ein Moment, der bleibt. Jan­nis Koll, Co-Lei­ter der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Frie­dens­tau­be, erin­nert sich: „Ich durf­te Frau Fried­län­der kurz von der IG Frie­dens­tau­be erzäh­len. Sie hör­te mir auf­merk­sam zu und sag­te, wie wich­tig unse­re Arbeit sei und dass wir wei­ter­hin für Demo­kra­tie und Mensch­lich­keit kämp­fen müs­sen. Dann strich sie mir über das Gesicht. Eine klei­ne Ges­te, die alles sag­te: Macht wei­ter. Tragt die­se Hal­tung wei­ter. Die­se Begeg­nung und ihre Wor­te wer­de ich für immer in mir tra­gen. Ihr Ver­mächt­nis ist unser Auf­trag: ‚Seid Men­schen.‘“ Der Holo­caust mahnt uns, wie zer­brech­lich Demo­kra­tie ist. Er zeigt, was geschieht, wenn Hass, Gleich­gül­tig­keit und Aus­gren­zung zur Nor­ma­li­tät wer­den. Gera­de des­halb ist es unse­re Auf­ga­be, jun­ge Men­schen zu stär­ken – im Den­ken, im Mit­füh­len, im Han­deln. Erin­nern heißt nicht, in der Ver­gan­gen­heit zu ver­har­ren. Erin­nern heißt, die Zukunft zu gestalten.

Nie wie­der ist jetzt.