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Philosoph des Monats Februar: Jürgen Habermas

Der­zeit wird nicht nur in Deutsch­land inten­siv dar­über debat­tiert, ob sozia­le Medi­en für Jugend­li­che unter 16 Jah­ren gesetz­lich ein­ge­schränkt oder gar ver­bo­ten wer­den soll­ten. Zu den pro­mi­nen­tes­ten Kri­ti­kern die­ser digi­ta­len Platt­for­men zählt der renom­mier­te Phi­lo­soph Jür­gen Haber­mas. Er warnt ein­dring­lich vor mög­li­chen Gefah­ren für die deli­be­ra­ti­ve Demo­kra­tie. So bestehe das Risi­ko, dass sozia­le Medi­en „den öffent­li­chen Raum frag­men­tie­ren und ver­nünf­ti­ge Dis­kur­se durch affekt­ge­steu­er­te Echo­kam­mern ersetzen”.

Jür­gen Haber­mas wur­de am 18. Juni 1929 in Düs­sel­dorf gebo­ren. Zwi­schen 1949 und 1954 stu­dier­te er Phi­lo­so­phie, Geschich­te, Psy­cho­lo­gie, Ger­ma­nis­tik und Öko­no­mie an ver­schie­de­nen Uni­ver­si­tä­ten. Er ent­wi­ckel­te sich zu einem der bedeu­tends­ten Ver­tre­ter der soge­nann­ten Frank­fur­ter Schu­le. Die­se ver­ein­te seit den 1930er-Jah­ren Intel­lek­tu­el­le unter­schied­li­cher Dis­zi­pli­nen rund um das Insti­tut für Sozi­al­for­schung in Frank­furt und präg­te maß­geb­lich die Kri­ti­sche Theorie.

Im Zen­trum von Haber­mas’ Den­ken steht die Dis­kurs­ethik. Sie beruht auf der Annah­me, dass mora­li­sche Urtei­le in einem offe­nen, argu­men­ta­ti­ven Dia­log gebil­det wer­den soll­ten. Vor­aus­set­zung für einen sol­chen Dis­kurs ist jedoch die Bereit­schaft, sich mit unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven aus­ein­an­der­zu­set­zen. Wer sich aus­schließ­lich inner­halb der eige­nen „media­len Bla­se” infor­miert, ent­zieht sich dem ech­ten Aus­tausch von Argu­men­ten. Gera­de die­ser offe­ne und ver­nunft­ge­lei­te­te Dia­log aber ist für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie heu­te wich­ti­ger denn je.

Uwe Scholz (FB Ethik)