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Fachkonferenz Fremdsprachen: von kurzen und von langen Sätzen

Die Sicht eines Elternsprechers auf die Arbeit in den Fachkonferenzen

Als Schü­ler der 9.2 woll­te ich Jour­na­list wer­den. Ein Exper­te die­ser Zunft riet mir: „Immer schön kur­ze und lan­ge Sät­ze im Wech­sel. Liest sich span­nen­der!“ Das habe ich mir gemerkt und mich gut vor­be­rei­tet gefühlt.

Das ist 29 Jah­re her. Jour­na­list bin ich am Ende nicht gewor­den, aber immer­hin habe ich neu­lich mein ers­tes Zei­tungs­in­ter­view gege­ben. Im Son­nen­schein vor der Schu­le. Die Fra­ge war, war­um unse­re Schu­le so beliebt ist.

Für das Inter­view blieb nicht viel Zeit, aber ich nutz­te einen guten Teil mei­ner Rede­zeit, um in vie­len lan­gen Sät­zen das Kol­le­gi­um unse­rer Schu­le zu loben: für sein Enga­ge­ment, sei­ne gro­ße Bereit­schaft zum Aus­tausch und dafür, wie sehr ich erle­be, dass es den Lehr­kräf­ten dar­um geht, gute Schu­le für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu machen.

In der Zei­tung las ich dann nur: „Der Eltern­ver­tre­ter ist begeis­tert von den Lehrkräften.“

Ein kur­zer Satz.

Man­ches muss man also selbst in die Hand neh­men. Des­halb berich­te ich nun, etwas aus­führ­li­cher und bei­spiel­haft, aus den bei­den Fach­kon­fe­ren­zen Fremd­spra­chen und Eng­lisch, die kürz­lich nach­ein­an­der stattfanden.

Wie in ande­ren schu­li­schen Gre­mi­en gibt es auch dort Tages­ord­nungs­punk­te, Beschlüs­se, Vor­ga­ben und Abstim­mun­gen. Beson­ders auf­fäl­lig ist aber, wie viel ech­te Zusam­men­ar­beit in die­sen Run­den stattfindet.

Der Raum war voll, die The­men zahl­reich. KI im Sprach­un­ter­richt, neue For­men der Leis­tungs­be­wer­tung, Syn­er­gien in der Mehr­spra­chig­keit, VERA, Abitur, Unter­richts­for­ma­te, Kino­be­su­che und die Fra­ge, wie Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit sehr unter­schied­li­chen sprach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen gut unter­stützt wer­den kön­nen. Und das war nur ein Teil des­sen, wor­über an die­sem Nach­mit­tag gespro­chen wurde.

Dabei wur­de nicht ein­fach eine Tages­ord­nung abge­ar­bei­tet. Es wur­de gefragt und wider­spro­chen, gemein­sam um Ent­schei­dun­gen und For­mu­lie­run­gen gerun­gen, Erfah­run­gen wur­den geteilt und Ideen spon­tan weiterentwickelt.

Beson­ders beein­dru­ckend fin­de ich die Art der Fach­lei­tung. Neue Mate­ria­li­en wer­den nicht ein­fach vor­ge­stellt, son­dern mit sicht­ba­rer Begeis­te­rung geteilt. Auch bei kom­ple­xe­ren Fra­gen wird nichts vor­schnell ver­ein­facht. Wo unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen und päd­ago­gi­sche Über­le­gun­gen zusam­men­ge­bracht wer­den müs­sen, wird offen dis­ku­tiert und gemein­sam nach einer sinn­vol­len Lösung gesucht. Gleich­zei­tig bleibt viel Raum für Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, ihre eige­nen Erfah­run­gen und Unter­richts­ideen einzubringen.

Für 45 Minu­ten wur­de die gro­ße Run­de dann auf­ge­löst und in klei­ne­ren Grup­pen an unter­schied­li­chen The­men gear­bei­tet. In mei­nem Team ging es um eine Fra­ge aus der letz­ten Unkon­fe­renz: Wie kön­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler gestärkt wer­den, die sich beim Spre­chen weni­ger zutrau­en? Es ent­stand ein inten­si­ver Aus­tausch über Geduld und Feh­ler­to­le­ranz, Ver­trau­en in den päd­ago­gi­schen Pro­zess und ein gutes Klas­sen­kli­ma, ver­bun­den mit vie­len kon­kre­ten Erfah­run­gen, Metho­den und Ideen aus dem Unter­richt. Im Anschluss teil­ten die Arbeits­grup­pen ihre Ergebnisse.

Dass die­se Zusam­men­ar­beit nicht nur bei den gro­ßen päd­ago­gi­schen Fra­gen funk­tio­niert, zeig­te sich wenig spä­ter ganz neben­bei: Als für den Tag der offe­nen Tür noch Unter­stüt­zung gebraucht wur­de, fand sich direkt eine Kol­le­gin. So habe ich es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eigent­lich immer erlebt: Für sol­che Fra­gen fin­det sich rasch eine Lösung. Es macht Spaß, dem Team bei der Arbeit zuzusehen.

Gegen 18 Uhr, nach fast drei Stun­den, hat­ten alle bereits einen lan­gen Arbeits­tag hin­ter sich. Trotz­dem wur­den noch Ideen wei­ter­ge­dacht, Mate­ria­li­en aus­ge­tauscht und letz­te Nach­fra­gen gestellt. Ich selbst hat­te an die­sem Nach­mit­tag fast nur zuge­hört und ging den­noch mit dem Gefühl aus dem Raum, rich­tig was geschafft zu haben.

Viel­leicht braucht es für mein Fazit also doch einen lan­gen Satz: Ich erle­be hier Fach­kon­fe­ren­zen, in denen offen dis­ku­tiert, ernst­haft um gute Lösun­gen gerun­gen, Wis­sen groß­zü­gig geteilt und mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der und für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler über­nom­men wird.

Oder, für den Jour­na­lis­ten: Ich bin begeis­tert von den Lehrkräften.

Eltern­spre­cher MG
Ver­tre­ter der Eltern­schaft in der Fach­kon­fe­renz Fremdsprachen