Aktuelle Position: 

Prüfungen können mehr als Leitungen messen

Was wäre, wenn eine Prü­fung nicht nur zeigt, was Schü­le­rin­nen und Schü­ler gelernt haben, son­dern sie dabei unter­stützt, noch mehr zu ler­nen? Prü­fun­gen sol­len Kom­pe­ten­zen sicht­bar machen. Sie geben Rück­mel­dung dar­über, was Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf ihren Ent­wick­lungs­stu­fen schon erreicht haben. Aber soll­ten wir Prü­fungs­kul­tur heu­te nicht wei­ter­den­ken? Prü­fun­gen kön­nen mehr sein als ein abschlie­ßen­der Moment zu einer bestimm­ten Zeit der Leis­tungs­be­wer­tung. Sie kön­nen dazu anre­gen, Wis­sen zu ver­tie­fen, Ver­ant­wor­tung für den eige­nen Lern­pro­zess zu über­neh­men, zu reflek­tie­ren und Gelern­tes auf neue Situa­tio­nen zu über­tra­gen. Doch dafür müs­sen wir dar­über spre­chen, wie wir prü­fen. Und wir müs­sen neue Wege aus­pro­bie­ren. Genau das tun wir am Otto-Nagel-Gym­na­si­um (ONG); nicht nur theo­re­tisch, son­dern prak­tisch. In der Sekun­dar­stu­fe I und in der Ober­stu­fe sam­meln wir Erfah­run­gen mit alter­na­ti­ven Prü­fungs­for­ma­ten. Drei unse­rer Kol­le­gin­nen haben die­se Erfah­run­gen nun beim #InnovationskongressOberstufe2026 in Ber­lin als Good-Prac­ti­ce-Bei­spie­le vor­ge­stellt. Mit ihrem Pra­xis­im­puls „Anders prü­fen, bes­ser ler­nen?“ brach­ten sie kon­kre­te Erfah­run­gen aus dem Schul­all­tag des ONG in den Aus­tausch ein. Dabei wur­de deut­lich, wie viel­fäl­tig Prü­fung gestal­tet wer­den kann: — Open-Book-Klau­su­ren und ‑Klas­sen­ar­bei­ten — Video­pro­duk­tio­nen — münd­li­che Erör­te­run­gen im Tan­dem anstel­le einer schrift­li­chen Arbeit — die Teil­nah­me an einem Wett­be­werb als Bestand­teil einer Beson­de­ren Lern­leis­tung (BLL) im Abitur Ent­schei­dend ist dabei nicht, eine klas­si­sche Prü­fung ein­fach durch ein „ande­res For­mat“ zu erset­zen. Es geht viel­mehr um die Fra­ge: Was soll eine Prü­fung eigent­lich sicht­bar machen und wel­che Lern­pro­zes­se kann sie gleich­zei­tig ermög­li­chen? Unse­re Kol­le­gin­nen zeig­ten anhand kon­kre­ter Bei­spie­le, wie alter­na­ti­ve Prü­fungs­for­ma­te fach­li­che Ver­tie­fung, Eigen­ver­ant­wor­tung, Refle­xi­on und Trans­fer­fä­hig­keit för­dern kön­nen. Gleich­zei­tig ging es ganz prak­tisch um Kon­zep­ti­on und Durch­füh­rung, Bewer­tungs­kri­te­ri­en und die Erfah­run­gen aus der Umset­zung. Unter dem Mot­to „Kol­laps oder Kurs­wech­sel? Schu­le im Stress­test“ kamen beim Kon­gress Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Schu­len, Wis­sen­schaft, Bil­dungs­in­itia­ti­ven und Bil­dungs­po­li­tik zusam­men, um über aktu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und die Zukunft der gym­na­sia­len Ober­stu­fe zu dis­ku­tie­ren. Für uns am ONG ist die­ser Aus­tausch ein wich­ti­ger Bestand­teil von Schul­ent­wick­lung. Denn Schu­le wei­ter­zu­ent­wi­ckeln bedeu­tet nicht, stän­dig alles neu zu machen. Es bedeu­tet, gemein­sam her­aus­zu­fin­den, was gutes Ler­nen heu­te braucht und den Mut zu haben, es auch aus­zu­pro­bie­ren. Ein gro­ßes Dan­ke­schön an Julia Königs, San­dra Men­de und Iri­na Pla­to­no­va für die­sen star­ken Pra­xis­im­puls und den wich­ti­gen Bei­trag zur Dis­kus­si­on über eine zeit­ge­mä­ße Prüfungskultur.