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Zwischen Geschichte, Kunst und Erinnerung

Die Otto-Nagel-Ausstellung in der Mark-Twain-Bibliothek

Am 4. Sep­tem­ber besuch­ten wir als Bun­des­frei­wil­li­ge des Otto-Nagel-Gym­na­si­ums die Aus­stel­lung „Otto Nagel – Visio­när einer gerech­ten Gesell­schaft“ in der Mark-Twa­in-Biblio­thek im Frei­zeit­fo­rum Mar­zahn. Das stell­te sich als eine wert­vol­le Mög­lich­keit her­aus, den Men­schen und Künst­ler hin­ter dem Namen unse­rer Schu­le kennenzulernen.

Schon beim Betre­ten der Biblio­thek fiel uns auf, dass die Aus­stel­lung anders auf­ge­baut ist, als man es von einem klas­si­schen Muse­um erwar­ten wür­de. Die ins­ge­samt 26 groß­for­ma­ti­gen Pla­ka­te ver­tei­len sich auf drei Eta­gen der Biblio­thek und wer­den durch eine klei­ne Aus­wahl sei­ner Wer­ke ergänzt. Dadurch begeg­ne­ten wir den Infor­ma­tio­nen fast wie bei­läu­fig zwi­schen Büchern und Lese­ecken. Gera­de die­se eher zurück­hal­ten­de Gestal­tung erzeug­te eine locke­re Atmo­sphä­re, in der man Lust bekom­men hat, mehr zu ent­de­cken und sich ohne Zwang mit Nagels Leben tief­ge­hen­der auseinanderzusetzen.

Zum Bei­spiel lern­ten wir, dass Otto Nagel 1894 in Ber­lin gebo­ren wur­de und sich ohne eine klas­si­sche aka­de­mi­sche Kunst­aus­bil­dung zu einem bedeu­ten­den Ber­li­ner Künst­ler ent­wi­ckel­te. Beson­ders häu­fig beschäf­tig­te er sich in sei­nen Bil­dern mit den Men­schen und dem All­tag der ein­fa­chen Bevöl­ke­rung Ber­lins. Somit ver­lieh Nagel den Lebens­rea­li­tä­ten der sozi­al Schwä­che­ren, die im gesell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Leben wenig Beach­tung erhiel­ten, ein Gesicht.

Sein Leben war all­ge­mein eng mit den poli­ti­schen Umbrü­chen sei­ner Zeit ver­bun­den. Wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­de er als Künst­ler aus­ge­grenzt, ver­folgt und mit einem Mal­ver­bot belegt. Nach 1945 setz­te er sich aber wei­ter­hin für Kunst und Kul­tur ein und wur­de schließ­lich Prä­si­dent der Aka­de­mie der Künste.

Auch sei­ne Fami­lie und der Umgang mit sei­nem künst­le­ri­schen Erbe wer­den the­ma­ti­siert. Sei­ne Frau Walen­ti­na Nagel sowie sei­ne Toch­ter Sybil­le Schal­len­berg-Nagel waren maß­geb­lich dar­an betei­ligt, sein Werk zu bewah­ren. Heu­te setzt sei­ne Enke­lin, die Jour­na­lis­tin Sal­ka-Val­ka Schal­len­berg die­se Arbeit fort und kura­tiert unter ande­rem des­halb die Aus­stel­lung in der Mark-Twa­in-Biblio­thek gemein­sam mit ihrem Part­ner Bernd Schal­len­berg. Die­se per­sön­li­chen Bezü­ge zeig­ten, dass hin­ter der Aus­stel­lung nicht nur His­to­rie steht, son­dern auch eine Fami­lie, die über Gene­ra­tio­nen hin­weg Nagels Erbe bewahrt.

Dabei geht die Aus­stel­lung auch auf das Unrecht ein, das Otto Nagel und sei­ner Fami­lie wider­fuhr. Sein umfang­rei­cher künst­le­ri­scher Nach­lass wur­de nach sei­nem Tod zum Teil durch staat­li­che Ein­grif­fe der DDR der Fami­lie ent­zo­gen, wodurch vie­le Wer­ke in Ver­ges­sen­heit gerie­ten. Gera­de die weni­gen aus­ge­stell­ten Kunst­wer­ke ver­lei­hen die­ser The­ma­tik eine beson­de­re Wir­kung. Frau Schal­len­berg fasst das Anlie­gen der Aus­stel­lung tref­fend zusam­men: „Wich­tig ist es uns, dass wir dem Künst­ler Respekt zol­len und auf das erlit­te­ne Unrecht auf­merk­sam machen.“ 

Die Aus­stel­lung ver­steht sich damit nicht nur als Rück­blick auf einen Künst­ler, son­dern auch als Ver­such, Erin­ne­rung zu bewah­ren und bis­her wenig bekann­te Aspek­te sei­ner Geschich­te sicht­bar zu machen.

Für uns als Bun­des­frei­wil­li­ge war der Besuch des­halb mehr als eine gewöhn­li­che Begeg­nung mit Kunst und Geschich­te.
Die Aus­stel­lung ist noch bis zum 7. Novem­ber 2026 in der Mark-Twa­in-Biblio­thek zu sehen – besucht sie gern und ent­deckt die Geschich­te hin­ter dem Namens­ge­ber unse­rer Schule.

Die Bun­des­frei­wil­li­gen