Im Rahmen des Deutschgrundkurses der Q1 bei Frau Weiße habe ich, Anna Rosenfeldt, mich zum Unterrichtsthema der Sprachgeschichte einem Gedicht aus der mittelhochdeutschen Zeit (1050 – 1350 n. Chr.) gewidmet. Mein Fokus lag auf dem Werk „Meier Helmbrecht“ des fahrenden Berufsdichters Wernher der Gärtner (auch: Wernher der Gartenaere). Dieser bayerisch/österreichische Autor lebte in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Anfang seiner berühmten, satirischen Versnovelle lautet im mittelhochdeutschen Original:

 

Wernher der Gärtner: „Meier Helmbrecht“

Abb. I: Ausschnitt aus dem „Ambraser Heldenbuch“
mit mhd. Originaltext des Meier Helmbrecht (© ÖNB)

„Einer seit waz er gesiht,

der ander seit waz im geschiht,

der dritte von minne,

der vierde von gewinne,

der fünfte von grôzem guote,

der sehste von hôhem muote:

hie wil ich sagen waz mir geschach,

daz ich mit mînen ougen sach.

ich sach, deist sicherlîchen wâr,

eins gebûren sun, der truoc ein har,

daz was reide unde val;

ob der ahsel hin ze tal

mit lenge ez volleclîchen gienc. […]“

Fritz Tschirch (Hrsg.): ebd.Stuttgart 1987, Seite 96-98.

 

Was im ersten Augenblick anmutet wie eine Fremdsprache, ist tatsächlich unsere Sprache: Deutsch, wie es vor knapp 1.000 Jahren gesprochen wurde. Nach entsprechenden Analysen befasste ich mich mit der freien Kreativaufgabe – der Erstellung einer „kunst-vollen“ neuhochdeutschen Fassung zum Originaltext. Nach beinahe unzähligen Ideen, schlüpfte ich immer mehr in die Materie des Dichtens ein. Mit folgendem selbstverfasstem Gedicht habe ich versucht, eine würdige, humorvolle Neuverfassung vom „Meier Helmbrecht“ zu konstruieren:

 

Abb. II: Ausschnitt aus dem „Ambraser Heldenbuch“ mit Miniatur des Meier Helmbrecht
(© ÖNB)

Anna Rosenfeldt: „Meier Helmbrecht“ im 21. Jahrhundert

Jemand plappert, was er behauptet gesehen zu haben,

Der andere, wie es kam zu seinem Schaden.

Der dritte im Bunde hat ein Aufmerksamkeitsproblem,

Der vierte will nur seine Aktien verstehen.

Wobei der fünfte schon den Luxus besitzt,

Ist der sechste beim Nachdenken des hohen Ideals verschwitzt.

Nun erzähl ich meine erlebte Geschichte,

Bevor ich es mit meinem Erbsen – Gedächtnis vernichte.

Glauben kannst du mir,

Ein Bauernsohn mit Haar und Schier.

Bändigte blonde Locken, die über die Schulter fiel.

Abb. III: Darstellung des Meier Helmbrecht aus einer mittelalterlichen Handschrift, Urheber unbekannt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna Rosenfeldt, Q1
(Fr. Weiße, Deutschlehrerin GK Q1)